Zwei Forschungsprojekte unter der Leitung von Forschenden des LCSB wurden feierlich mit Spendengeldern ausgezeichnet, die im Rahmen der Ausgabe 2025 von „Espoir en tête“ gesammelt wurden. Diese Initiative der Rotary Clubs in Luxemburg unterstützt seit ihrer Gründung im Jahr 2013 die Hirnforschung. In diesem Jahr widmen sich die ausgewählten Projekte der Präzisionsmedizin bei der Parkinson-Krankheit und der Rolle von Molekülen, die vom Darmmikrobiom bei neurodegenerativen Erkrankungen produziert werden. Die Projekte wurden im Rahmen einer Veranstaltung vorgestellt, die zugleich Gelegenheit bot, die nächste Ausgabe von „Espoir en tête“ anzukündigen.
Erforschung der Mechanismen, die Darmmikroben mit Neurodegeneration verbinden
Die Forschungsgruppe Systems Ecology am LCSB hat in Zusammenarbeit mit Prof. Ami Bhatt von der Stanford University kürzlich eine neue Klasse kleiner Proteine identifiziert, die von Darmmikroben ausgeschieden werden und das Potenzial haben, die Aggregation menschlicher Proteine zu fördern und damit neurodegenerative Prozesse auszulösen. Das neue Projekt des Teams wird mit 25.000 € gefördert, um die Rolle dieser vom Mikrobiom stammenden Moleküle bei der Parkinson-Krankheit weiter zu untersuchen. Es nutzt eine patentierte „Entdeckungspipeline“, die entwickelt wurde, um die relevantesten Moleküle zu identifizieren, und ergänzt einen kürzlich bewilligten European Research Council Proof of Concept Grant, der sich auf das Biomarkerpotenzial dieser Moleküle konzentriert.
„Bereits 2024 ermöglichte uns die Unterstützung von ‚Espoir en tête‘, erste Daten zu generieren und diesen neuen Forschungsansatz weiterzuverfolgen. Jetzt werden wir auf Grundlage der erfolgreichen Ergebnisse und dank der erneuten Unterstützung noch einen Schritt weiter gehen“, erklärt Prof. Paul Wilmes, Leiter der Systems Ecology Gruppe. „Wir werden bestimmte Nervenzellen untersuchen, um zu verstehen, ob die von uns entdeckten kleinen Proteine Prozesse auslösen können, die zu Parkinson oder anderen Krankheiten führen. Wenn unsere Hypothese stimmt, könnte das Projekt zu völlig neuen Diagnose- oder Behandlungsmöglichkeiten führen.“
Identifizierung von Patientengruppen für die Präzisionsmedizin
Ein zweites Projekt unter der Leitung von Iñigo Yoldi Bergua und Prof. Rejko Krüger wird ebenfalls mit 25.000 € gefördert. Ziel ist es, Parkinson-Patienten zu identifizieren, die gemeinsame krankheitsverursachenden Mechanismen teilen und von einer spezifischen therapeutischen Strategie profitieren könnten. Forschende der Translational Neuroscience Gruppe am LCSB haben kürzlich Patienten identifiziert, die mehrere Veränderungen in Genen tragen, die für Lysosomen kodieren, die wichtige Bestandteile des zellulären Proteinabbauapparats sind. Das Projekt soll bestätigen, dass die Anhäufung dieser genetischen Veränderungen die Funktion von Nervenzellen beeinträchtigt und somit zur Parkinson-Krankheit beiträgt. Die Forschenden gehen davon aus, dass eine genetische Stratifizierung maßgeschneiderte therapeutische Strategien ermöglichen kann, die beruhend auf entsprechenden klinischen Studien gezielt auf Lysosomen ausgerichtet sind.
„Die Unterstützung durch ‚Espoir en tête‘ hilft uns, wissenschaftliche Erkenntnisse in konkrete Fortschritte für Menschen mit Parkinson umzusetzen“, betont Prof. Rejko Krüger, Leiter der Translational Neuroscience Gruppe. „Unser Projekt identifiziert genetische ‚Fingerabdrücke‘, mit denen sich Untergruppen von Parkinson-Patienten mit gemeinsamen molekularen Ursachen erkennen lassen – ein wichtiger Schritt hin zu zielgerichteten krankheitsmodifizierenden Therapien und zu einer echten Präzisionsmedizin.“
„Espoir en tête“, ein Katalysator für die Hirnforschung in Luxemburg
Getragen von den Rotary Clubs in Luxemburg lädt die Initiative „Espoir en tête“ die Öffentlichkeit zur Premiere eines Films ein und unterstützt damit gleichzeitig die Forschung zu Hirnerkrankungen. Seit ihrer Einführung in Luxemburg hat sie mehr als 733.000 € gesammelt und damit 22 Forschungsprojekte finanziert. Durch die Bereitstellung wichtiger Anschubfinanzierung werden auch wissenschaftliche Karrieren befördert. Unterstützt werden insbesondere Pilot- und explorative Studien in frühen Forschungsphasen, die in den letzten Jahren häufig zu bedeutenderen Fördermitteln und wissenschaftlichen Publikationen führten. „In den letzten zehn Jahren hat diese Unterstützung dazu beigetragen, dass junge Forschende und Teams an der Universität wachsen konnten“ betont Philippe Lamesch, Leiter des Office of Fundraising der Universität. „Wir sind äußerst dankbar für die Unterstützung, die Forschende seitens Rotary erhalten haben seit Norbert Friob ‚Espoir en tête‘ ins Leben gerufen hat und die Initiative rasch zu einer festen Institution in Luxemburg gemacht hat. Es ist eine vorbildliche Initiative, die zeigt, wie Philanthropie und wissenschaftliche Forschung Hand in Hand gehen können.”
Eine eigens organisierte Veranstaltung am 10. März bot den Forschenden die Gelegenheit, ihre von „Espoir en tête“ unterstützten Projekte vorzustellen und die Wichtigkeit von Forschungsförderung zu erörtern. Siebot auch einen perfekten Anlass, um die nächste Ausgabe anzukündigen: Im Jahr 2026 wird der überwiegend in Luxemburg produzierte Animationsfilm „Allez Hëpp Hopp Hopp!” am 19. April in Kinepolis Kirchberg und Belval Premiere feiern. Für jede verkaufte Kinokarte werden 8 € für die Forschung in Luxemburg gespendet. Kaufen Sie jetzt Ihr Ticket >>
Fotos von Vic Fischbach Photographie