Populärkultur transnational – Europa in den langen 1960er Jahren
Eine Geschichte der Populärkultur hat lange einen schweren akademischen Stand gehabt. Auch wenn sich dies seit den 1990er Jahren in vielen europäischen Ländern langsam zu verändern begann, blieben doch die gesellschaftlichen und politischen Bedeutungsgehalte populärkultureller Phänomene, Produkte und Praktiken oftmals weiterhin verkannt, gerade unter transnationalen Gesichtspunkten. Vor diesem Hintergrund haben sich 2014 Historiker:innen der Universität des Saarlandes und der Universität Luxemburg zusammengetan, das Problem diskutiert, Tagungen veranstaltet und Bücher publiziert, um bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft und dem Fonds National de la Recherche das Einrichten einer binationalen Forschungsgruppe „Populärkultur transnational – Europa in den langen 1960er Jahren“ (Popkult60) zu beantragen. Das Ende 2017 bewilligte Vorhaben umfasste in Förderphase I (2018-2021/22) zunächst sieben, mit Beginn der Förderphase II (2022/22-2026) dann zehn weitere Doktorand:innen- bzw. Post-Doc-Projekte, die sich mit grenzüberschreitenden Transfers populärer Kulturformen zwischen mehreren westeuropäischen Gesellschaften beschäftigen.
Vom 15. bis 17. April 2026 wird nun an der Universität Luxemburg die bilanzierende Abschlusstagung – alles in allem der 18. Workshop seit 2018 – von „Populärkultur transnational“ stattfinden. Die Tagung soll zum einen die maßgeblichen Ergebnisse und Einsichten aus den 17 Teilprojekten bündeln und vorstellen, zum anderen den Blick erweitern für andere Populärkultur-Studien der letzten zehn Jahre über die Forschungsgruppe hinaus. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, an der Tagung teilzunehmen. Um Anmeldung bei Philipp Didion (philipp.didion@uni-saarland.de) wird gebeten.
Programm
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15.30
Andreas Fickers (Luxemburg) / Dietmar Hüser (Saarbrücken)
Begrüßung & Präsentation des Popkult60-Abschlussbandes
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16.00
Panel 1 „Sehen“ (Moderation: Bodo Mrozek, Berlin)
Julia Wack (Luxemburg): Ambitious Amateurs – Soziokulturelle und kinematische Praktiken von Amateurfilmclubs der langen 1960er Jahre im transnationalen Kontext
Marie-Madeleine Ozdoba (Berlin / Erkner): „Musik-Tourist: Berlin Alexanderplatz” – Popkulturelle Fragen an die DDR-Moderne, am Beispiel einer Fernseh-Unterhaltungssendung aus dem Jahr 1973
Marie Kollek (Jena): Schwarz als Ereignis – Die Artikulation von Blackness in den populärkulturellen Medien der langen 1960er Jahre
Philipp Didion (Saarbrücken): „There can be only one“ – Bergmann, Panini und die (trans-)nationale Monopolbildung in der Fußball-Sammelbilder-Branche der langen 1960er Jahre
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18.00
Kaffeepause
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18.30
Ulrich Raulff (Stuttgart / Berlin): Keynote „Leben im Vormai. Eine Jugend in den Sechzigern“
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20.00
Empfang mit Buffet
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09.00
Panel 2 „Lesen“ (Moderation: Christoph Brüll, Luxemburg)
Matthias Höfer (Luxemburg): Werbung und Marketing für Unterhaltungselektronik in transnationaler Perspektive
Jessica Burton (Luxemburg): Constructing European Storyworlds through Comics in the long 1960s – The Franco-Belgian Case Study and a Europeanisation of Travelling Stories, Formats, and Editorial Practices
Jasmin Berger (Fulda): Kulturelle Anpassungen in standarddeutschen und hessischen Übertragungen von Asterix-Comics
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10.30
Kaffeepause
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11.00
Panel 3 „Erleben I“ (Moderation: Florence Tamagne, Lille)
Nicole Olenskaia (Luxemburg): Archiving the Ephemeral: Club Culture, Archival Visibility, and Cultural Value of the Long 1960s
Laura Steil (Luxemburg): Feierôwend – Dance, Music and Borders
Sonja Malzner (Luxemburg): Traumziel Indischer Ozean
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12.30
Mittagessen
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14.00
Panel 4 „Hören“ (Moderation: Kaspar Maase, Berlin / Tübingen)
Maude Williams (Saarbrücken): Per Platte über den Rhein. Der asymmetrische Transfer populärer Musik zwischen Frankreich und der Bundesrepublik (1956-1978)
Nils-Christian Terp (Jena): Kulturtransfer durch Liedadaption? – Liedtexter:innen als Kulturmittler:innen in der deutschen und französischen Popmusik der 1960er Jahre
Richard Legay (Göttingen / Freiburg): Broadcasting Across Europe – Radio Luxembourg and Europe n° 1 in the Long Sixties
Gunter Mahlerwein (Saarbrücken): Folkrevival in Westeuropa von den 1950er bis zu den 1970er Jahren
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16.00
Kaffeepause
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16.30
Aussprache über die Perspektiven künftiger geschichts- und kulturwissenschaftlicher Populärkulturforschung
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19.30
Abendessen
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10.00
Panel 5 „Erleben II“ (Moderation: Jörg Türschmann, Wien)
Stefan Zeppenfeld (Bochum): Der Marché aux puces als Importware. Ausbreitung und Popularisierung bundesdeutscher Flohmärkte seit den späten 1960er Jahren
Véronique Faber (Luxemburg): Europa auf dem Volksfest – Die Schueberfouer als Ort transnationaler Verflechtungen
Ansbert Baumann (Saarbrücken): Alte Fans und Neue Fans – Fankulturen im westeuropäischen Fußball der langen 1960er Jahre
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11.30
Kaffeepause
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12.00
Dietmar Hüser (Saarbrücken) / Andreas Fickers (Luxemburg): Bilanz & Ausblick
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12.30
Ende der Tagung
Kontakt
Anmeldung und Fragen bitte an Philipp Didion (philipp.didion@uni-saarland.de) senden.