Erkunden Sie die Anfänge der Europäischen Gemeinschaft in Luxemburg anhand einer neuen Fotoausstellung im Schuman-Haus.
Am 9. Mai 2026 wird im Rahmen der Feierlichkeiten zum Europatag eine neue Fotoausstellung im Schuman-Haus eröffnet, dem Ort, an dem der junge Robert Schuman seine Kindheit und Jugend verbrachte.
Nunmehr werden die Kulissen in den Vordergrund gerückt. Nachdem im vergangenen Jahr anlässlich des 75. Jahrestages der Schuman-Erklärung der Blick auf den 9. Mai 1950 im Spiegel zeitgenössischer Karikaturen gerichtet war, erlaubt eine Ausstellung im Schuman-Haus dieses Jahr einen Blick hinter die Kulissen der Anfänge der Montantunion in Luxemburg.
Der Vertrag über die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) wurde am 18. April 1951 in Paris unterzeichnet wurde, ohne jedoch die Frage des Sitzes der Gemeinschaftsinstitutionen in den monatelangen Verhandlungen geklärt zu haben.
Dass die Wahl dabei auf Luxemburg fiel, ist – wenn man den Memoiren Jean Monnets Glauben schenken darf – dem Vorschlag des Luxemburger Außenministers Joseph Bech zu verdanken. Dieser habe in einer Nachtsitzung der Verhandlungspartner am 24. Juli 1952 vorgeschlagen, die Arbeit vorläufig in Luxemburg aufzunehmen, solange man sich nicht einigen könne.
Weil Eile geboten war, musste man zunächst auf bestehende Gebäude zurückgreifen, um die Mitarbeiter der Hohen Behörde, des Besonderen Ministerrats und des Gerichtshofes zu beherbergen. Innerhalb weniger Wochen mussten Räumlichkeiten gefunden und hergerichtet werden. Die Tage und Wochen nach der Beschlussfassung standen denn auch im Zeichen hektischer Betriebsamkeit.
Die Konzeption der Fotoausstellung erwuchs aus der Frage, wie sich eine Stadt von damals kaum 66.000 Einwohnern einrichtet, um die neuen europäischen Institutionen und deren Mitarbeiter zu empfangen und wie sich die Institutionen und deren Mitarbeiter selbst einrichten in ihrer neuen Umgebung. Sowohl für die Stadt Luxemburg als auch für die ankommenden Mitarbeiter und deren Familien war dies eine gänzlich neue Erfahrung.
Die Fotoausstellung soll also einen Blick hinter die Kulissen ermöglichen. Sie ist thematisch strukturiert und versucht Handelnde in ihrer Arbeitsumgebung, aber auch Beobachter des Geschehens abzubilden.
Fotos zeigen eine Delegation bei der Sichtung möglicher Gebäude ebenso wie Arbeiter beim Anstrich der zukünftigen Büros der Hohen Behörde am freigeräumten Sitz der Eisenbahnverwaltung. Mitarbeiter an Telex-Geräten und ein Übersetzer in einer Kabine für Simultandolmetscher zeigen Ausschnitte aus dem Arbeitsalltag. Dass die Arbeit der europäischen Institutionen auch in der Presse Widerhall fand, lässt sich an den zahlreichen Mikrofonen ablesen, die vor den politischen Akteuren Spalier stehen, einem Journalisten bei der Reportage über den ersten Guss von Roheisen im Rahmen der EGKS im Stahlwerk Belval oder der Berichterstattung aus dem Fernsehstudio von RTL.
Bilder vom Tanz europäischer Beamter im Schloss Berg – damals Hotel -, erinnern daran, dass deren Leben auch außerhalb der Büros stattfand. Nicht zuletzt die Grundsteinlegung der Europaschule am Glacis zeigt, dass sich europäische Institution endgültig in Luxemburg etablieren.
Die Ausstellung wird am 9. Mai 2026 im Rahmen des Tags der Offenen Tür im Schuman-Haus eröffnet.
- Wann: 11:00–16:00 Uhr
- Wo: 4, rue Jules Wilhelm, L-2728 Luxemburg
Gruppenbesuche an anderen Tagen können unter folgender Adresse angefragt werden: maison-schuman@uni.lu.
Möchten Sie mehr über die Geschichte des Europatags erfahren? Hören Sie den Podcast “75 ans Déclaration Robert Schuman.”
Autor(en)
Guido LESSING