Thema
Der Friedenseuphorie nach dem Ende des Kalten Krieges ist Kriegsangst gewichen. Manche sehen uns in einer neuen Vorkriegszeit, ungehemmte Aufrüstung allenthalben. Seit den Anfängen der Menschheit wird sie immer wieder von desaströsen Kriegen heimgesucht. Wenn wir nur wüssten, woran das liegt, könnten wir den Krieg dann abschaffen? Der Vortrag stellt drei Hypothesen zur Diskussion. Erstens ist jedes Nachdenken über Krieg und Frieden in eine Gesamtinterpretation des Menschseins in der Geschichte eingebunden. Zweitens gründen die großen politisch-rechtlichen Anläufe des 20. Jahrhunderts, den Krieg zu überwinden – Völkerbund, UNO -, auf der Friedensphilosophie Kants, die ihrerseits auf fraglichen Prämissen beruht: der geschichtsgestaltenden Kraft der Vernunft und dem moralischen Fortschritt der Menschheit. Drittens bietet die Philosophie von Norbert Elias einen neuen Ansatz, einen neuen Interpretationsrahmen, der dem Menschen eine Perspektive auf einen neuen Zivilisationsschub, auf eine neue Weise eröffnet, nicht mehr nur Spielball über ihn verfügender Mächte zu bleiben, sondern sein eigenes Schicksal selbst zu gestalten. Kriegsüberwindung muss tiefer ansetzen, als man in der Aufklärung glaubte. Sie setzt voraus, dass seine gesamte emotionale und affektive Standardprägung durch den Menschen selbst auf die Anforderungen der globalisierten Welt umgestaltet wird. Herzliche Einladung zum Mitdenken!
Referent
Prof. Dr. Gerhard Beestermöller (em.)
Luxemburg/Hamburg
Kontakt
Dr. Jean-Marie Weber
Assistenzprofessor (in Rente) und Psychoanalytiker, Universität Luxemburg
Der Vortrag findet im Rahmen der Reihe Fortschritt und Regression in unserer Gesellschaft statt. Die Vortragsreihe wird organisiert von der Arbeitsgruppe ‚Humanities & Religion‘ der Universität Luxemburg. Zu den Mitgliedern der Gruppe gehören Gerhard Beestermöller, Jean Braun, Roger Davids, René Gonner, Peter Voss und Jean-Marie Weber.
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