{"id":715,"date":"2021-03-29T10:01:25","date_gmt":"2021-03-29T10:01:25","guid":{"rendered":"https:\/\/website.prod.unilu.spikeseed.cloud\/de\/news\/die-geburtsart-beeinflusst-nachhaltig-das-mikrobiom-und-immunsystem\/"},"modified":"2021-03-29T10:01:25","modified_gmt":"2021-03-29T10:01:25","slug":"die-geburtsart-beeinflusst-nachhaltig-das-mikrobiom-und-immunsystem","status":"publish","type":"news","link":"https:\/\/www.uni.lu\/de\/news\/die-geburtsart-beeinflusst-nachhaltig-das-mikrobiom-und-immunsystem\/","title":{"rendered":"Die Geburtsart beeinflusst nachhaltig das Mikrobiom und Immunsystem"},"content":{"rendered":"<section class=\"wp-block-unilux-blocks-free-section section\"><div class=\"container xl:max-w-screen-xl\"><p>In einer k\u00fcrzlich erschienenen wissenschaftlichen Publikation schlie\u00dfen Forscher des Luxembourg Centre for Systems Biomedicine (LCSB) und des\u00a0Fachbereichs Lebenswissenschaften und Medizin der Universit\u00e4t Luxemburg die Wissensl\u00fccken bez\u00fcglich der Auswirkungen der Geburtsart auf S\u00e4uglinge. Dank einer langj\u00e4hrigen Studie &#8211; genannt COSMIC &#8211; zeigen sie Unterschiede in der Zusammensetzung und Funktion des Darmmikrobioms auf, die w\u00e4hrend des ersten Lebensjahres bestehen bleiben. Diese von der Geburtsart abh\u00e4ngigen Ver\u00e4nderungen beeinflussen wahrscheinlich langfristig den Zustand des Immunsystems und die antimikrobielle Resistenz. Die Ergebnisse der Forschergruppe unter der Leitung von Prof. Paul Wilmes sind in der Open-Access-Zeitschrift <a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s43705-021-00003-5\" target=\"_blank\" title=\"\" rel=\"noopener\">ISME Communications<\/a> ver\u00f6ffentlicht.<\/p><p>Die Rate der Kaiserschnittentbindungen (CSD) nimmt weltweit stetig zu \u2013 insbesondere in Europa, wo sie 25% der Geburten ausmacht. Obwohl mehrere Studien und fr\u00fchere Arbeiten des Forscherteams gezeigt haben, dass CSD sowohl das Darmmikrobiom als auch die Entwicklung des Immunsystems bei Neugeborenen beeinflusst, sind die dauerhaften Auswirkungen der Geburtsart nicht vollst\u00e4ndig bekannt. &#8222;Aktuelle Hypothesen besagen, dass der Kaiserschnitt mit verschiedenen chronischen Krankheiten im sp\u00e4teren Leben wie etwa Stoffwechselst\u00f6rungen und Allergien in Verbindung steht oder die Entwicklung von antimikrobiellen Resistenzen beg\u00fcnstigt&#8220;, erl\u00e4utert Prof. <a href=\"https:\/\/wwwde.uni.lu\/lcsb\/people\/paul_wilmes\" target=\"_self\" title=\"\" rel=\"noopener\">Paul Wilmes<\/a>, Leiter der Gruppe <a href=\"https:\/\/wwwde.uni.lu\/lcsb\/research\/systems_ecology\" target=\"_self\" title=\"\" rel=\"noopener\">Systems Ecology<\/a>\u00a0am LCSB. Es sind jedoch Studien \u00fcber l\u00e4ngere Zeitr\u00e4ume erforderlich, um die andauernde Auswirkung w\u00e4hrend des ersten Lebensjahres zu bestimmen, welches ein kritisches Fenster der Entwicklung darstellt.<\/p><p>Die Gruppe Systems Ecology untersucht seit mehreren Jahren gemeinsam mit Prof. Carine de Beaufort von der Kinderklinik des Centre Hospitalier de Luxembourg die Auswirkungen von vaginaler Entbindung (VD) und Kaiserschnitt auf die Neugeborenen. Sie haben bereits zuvor Unterschiede in der Struktur und Funktion des Mikrobioms der S\u00e4uglinge identifiziert. Aufbauend auf diesem langj\u00e4hrigen Interesse untersuchten sie den wichtigen Effekt der Geburtsart durch eine longitudinale Analyse: Von dem Zeitpunkt unmittelbar nach der Geburt bis hin in die fr\u00fche Kindheit. &#8222;Wir folgten VD- und CSD-Neugeborenen, sammelten Stuhlproben in entscheidenden Intervallen &#8211; von 5 Tagen bis zu einem Jahr &#8211; und f\u00fchrten hochaufl\u00f6sende, meta-genomische Analysen des Darmmikrobioms dieser S\u00e4uglinge durch&#8220;, erkl\u00e4rt <a href=\"https:\/\/wwwde.uni.lu\/lcsb\/people\/susheel_bhanu_busi\" target=\"_self\" title=\"\" rel=\"noopener\">Dr. Susheel Bhanu Busi<\/a>,\u00a0Co-Erstautor der Studie. Die Ergebnisse zeigen dauerhafte, von der Geburtsart abh\u00e4ngige Unterschiede und deren Zusammenhang mit der Immunfunktion.<\/p><figure class=\"wp-block-dev4-reusable-blocks-image  object-fit--contain\">\n    \n<img decoding=\"async\" class=\"wp-block-image unilux-custom-image-block\"\n                alt=\"\"\n            src=\"https:\/\/www.uni.lu\/wp-content\/uploads\/sites\/10\/2023\/07\/vd_de_creditslindawampach_510.jpg\"\n                srcset=\"https:\/\/www.uni.lu\/wp-content\/uploads\/sites\/10\/2023\/07\/vd_de_creditslindawampach_510-300x119.jpg 300w, https:\/\/www.uni.lu\/wp-content\/uploads\/sites\/10\/2023\/07\/vd_de_creditslindawampach_510.jpg 510w\"\n                style=\"object-position: 50.00% 50.00%; font-family: &quot;object-fit: contain; object-position: 50.00% 50.00%;&quot;; aspect-ratio: 21\/9; object-fit: contain; width: 100%;\"\n        loading=\"lazy\"\n\/>    <\/figure><figure class=\"wp-block-dev4-reusable-blocks-image  object-fit--contain\">\n    \n<img decoding=\"async\" class=\"wp-block-image unilux-custom-image-block\"\n                alt=\"\"\n            src=\"https:\/\/www.uni.lu\/wp-content\/uploads\/sites\/10\/2023\/07\/csd_de_creditslindawampach_510.jpg\"\n                srcset=\"https:\/\/www.uni.lu\/wp-content\/uploads\/sites\/10\/2023\/07\/csd_de_creditslindawampach_510-300x119.jpg 300w, https:\/\/www.uni.lu\/wp-content\/uploads\/sites\/10\/2023\/07\/csd_de_creditslindawampach_510.jpg 510w\"\n                style=\"object-position: 50.00% 50.00%; font-family: &quot;object-fit: contain; object-position: 50.00% 50.00%;&quot;; aspect-ratio: 21\/9; object-fit: contain; width: 100%;\"\n        loading=\"lazy\"\n\/>    <\/figure>\n<h5 class=\"has-text-align-left wp-block-unilux-blocks-heading\"        id=\"linda-wampach\"\n    >\n\u00a9 Linda Wampach<\/h5>\n<p><\/p><p><\/p><p>W\u00e4hrend die Langzeitstudie zeigt, dass sich die Darmmikrobiome von CSD- und VD-Babys im Laufe der Zeit immer mehr angleichen, weist sie bei einj\u00e4hrigen vaginal entbundenen S\u00e4uglingen auch auf Unterschiede in Bezug auf Zusammensetzung und Funktion hin. Zum Beispiel ist ein Bakterium, genannt <i>Faecalibacterium prausnitzii<\/i>, in der VD-Gruppe h\u00e4ufiger vorhanden. Es ist normalerweise mit gesunden menschlichen Mikrobiomen assoziiert und k\u00f6nnte entz\u00fcndungshemmende Eigenschaften mit sich bringen. Eine funktionelle Analyse der Mikrobiome zeigt f\u00fcr dieselbe Gruppe auch eine Zunahme der Biosynthese von nat\u00fcrlichen Antibiotika. &#8222;Beide Ergebnisse deuten darauf hin, dass die kolonisierenden Mikroorganismen im Darm eine entscheidende Rolle spielen und dass Kinder die vaginal entbunden wurden von fr\u00fchzeitigen Resistenzmechanismen gegen opportunistische Krankheitserreger profitieren k\u00f6nnten&#8220;, betont Co-Erstautorin Laura de Nies. Durch die Kombination der neuen Ergebnisse mit <a href=\"https:\/\/wwwde.uni.lu\/universite\/actualites\/latest_news\/l_accouchement_par_cesarienne_affecte_le_systeme_immunitaire_du_bebe\" target=\"_self\" title=\"\" rel=\"noopener\">ihren fr\u00fcheren Studien zu diesem Thema<\/a> best\u00e4tigten die LCSB-Forscher auch, dass eine Schw\u00e4chung des fr\u00fchen Immunsystems bei Neugeborenen, die per Kaiserschnitt entbunden wurden, zu anhaltenden Effekten im ersten Lebensjahr f\u00fchren k\u00f6nnte. Dies k\u00f6nnte wiederum die h\u00f6here Rate an immunsystembedingten Krankheiten erkl\u00e4ren, die bei CSD-Kindern im sp\u00e4teren Leben beobachtet werden, einschlie\u00dflich Stoffwechselst\u00f6rungen und Allergien.<\/p><p>Als n\u00e4chstes untersuchte das Team von Prof. Wilmes, wie die Geburtsart die antimikrobielle Resistenz (AMR) moduliert und fand heraus, dass ein Kaiserschnitt mit Genen assoziiert ist, die bereits f\u00fcnf Tage nach der Geburt eine Resistenz gegen synthetische und halbsynthetische Antibiotika verleihen. Er erkl\u00e4rt: &#8222;Da M\u00fcttern, die sich dem chirurgischen Eingriff unterziehen, Antibiotika verabreicht werden, ist es plausibel, dass diese Anreicherung an AMR-Genen mit der Krankenhausumgebung und dem Kaiserschnitt zusammenh\u00e4ngt.&#8220; Die Studie lieferte auch einige Einblicke in die Rolle mobiler genetischer Elemente &#8211; wie Plasmide und Bakteriophagen &#8211; bei der Verleihung antimikrobieller Resistenzen und zeigte, dass sie unabh\u00e4ngig vom Geburtsmodus einen wichtigen Beitrag zur Etablierung und Persistenz von AMR im ersten Lebensjahr leisten.<\/p><p>Zusammengenommen deuten diese Ergebnisse darauf hin, dass von der Geburtsart abh\u00e4ngige Effekte auch nach einem Jahr noch bestehen. Der fr\u00fche Einfluss der Kaiserschnittentbindung auf die Etablierung des Darmmikrobioms von Neugeborenen f\u00fchrt zu dauerhaften strukturellen und funktionellen Unterschieden. Sie beeinflussen das Immunsystem, die Abwehrmechanismen gegen Krankheitserreger und die antimikrobielle Resistenz. &#8222;Diese Studie unterstreicht, wie wichtig es ist, diese Effekte \u00fcber l\u00e4ngere Zeitr\u00e4ume zu verfolgen und ebnet den Weg f\u00fcr zuk\u00fcnftige Interventionen, die darauf abzielen, wichtige funktionelle Merkmale des Mikrobioms bei Kaiserschnitt-Kindern wiederherzustellen&#8220;, schlie\u00dft Dr. Busi.<\/p><p>\u00a0<\/p><p>Referenz: <a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s43705-021-00003-5\" target=\"_blank\" title=\"\" rel=\"noopener\">Busi, S.B., de Nies, L., Habier, J. et al. Persistence of birth mode-dependent effects on gut microbiome composition, immune system stimulation and antimicrobial resistance during the first year of life. ISME COMMUN. 1, 8 (2021). DOI 10.1038\/s43705-021-00003-5<\/a><\/p><\/div><\/section>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einer k\u00fcrzlich erschienenen wissenschaftlichen Publikation schlie\u00dfen Forscher des Luxembourg Centre for Systems Biomedicine (LCSB) und des\u00a0Fachbereichs Lebenswissenschaften und Medizin der Universit\u00e4t Luxemburg die Wissensl\u00fccken bez\u00fcglich der Auswirkungen der Geburtsart auf S\u00e4uglinge. Dank einer langj\u00e4hrigen Studie &#8211; genannt COSMIC &#8211; zeigen sie Unterschiede in der Zusammensetzung und Funktion des Darmmikrobioms auf, die w\u00e4hrend des ersten Lebensjahres bestehen bleiben. Diese von der Geburtsart abh\u00e4ngigen Ver\u00e4nderungen beeinflussen wahrscheinlich langfristig den Zustand des Immunsystems und die antimikrobielle Resistenz. 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Die Ergebnisse der Forschergruppe unter der Leitung von Prof. Paul Wilmes sind in der Open-Access-Zeitschrift ISME Communications ver\u00f6ffentlicht.","breadcrumb":{"@id":"https:\/\/www.uni.lu\/de\/news\/#breadcrumb"},"inLanguage":"de-DE","potentialAction":[{"@type":"ReadAction","target":["https:\/\/www.uni.lu\/de\/news\/"]}]},{"@type":"ImageObject","inLanguage":"de-DE","@id":"https:\/\/www.uni.lu\/de\/news\/#primaryimage","url":"https:\/\/www.uni.lu\/wp-content\/uploads\/sites\/10\/2021\/03\/l_impact_durable_du_type_d_accouchement_sur_le_microbiote_l_immunite.jpg","contentUrl":"https:\/\/www.uni.lu\/wp-content\/uploads\/sites\/10\/2021\/03\/l_impact_durable_du_type_d_accouchement_sur_le_microbiote_l_immunite.jpg","width":800,"height":600},{"@type":"BreadcrumbList","@id":"https:\/\/www.uni.lu\/de\/news\/#breadcrumb","itemListElement":[{"@type":"ListItem","position":1,"name":"Home","item":"https:\/\/www.uni.lu\/de\/"},{"@type":"ListItem","position":2,"name":"News","item":"https:\/\/www.uni.lu\/de\/news\/"},{"@type":"ListItem","position":3,"name":"Die Geburtsart beeinflusst nachhaltig das Mikrobiom und Immunsystem"}]},{"@type":"WebSite","@id":"https:\/\/www.uni.lu\/de\/#website","url":"https:\/\/www.uni.lu\/de\/","name":"Uni.lu","description":"Universit\u00e4t Luxemburg","publisher":{"@id":"https:\/\/www.uni.lu\/de\/#organization"},"alternateName":"Universit\u00e4t Luxemburg","potentialAction":[{"@type":"SearchAction","target":{"@type":"EntryPoint","urlTemplate":"https:\/\/www.uni.lu\/de\/?s={search_term_string}"},"query-input":"required name=search_term_string"}],"inLanguage":"de-DE"},{"@type":"Organization","@id":"https:\/\/www.uni.lu\/de\/#organization","name":"Universit\u00e4t Luxemburg","alternateName":"Uni.lu","url":"https:\/\/www.uni.lu\/de\/","logo":{"@type":"ImageObject","inLanguage":"de-DE","@id":"https:\/\/www.uni.lu\/de\/#\/schema\/logo\/image\/","url":"https:\/\/www.uni.lu\/wp-content\/uploads\/sites\/10\/2026\/03\/03120000\/UNIV_SM-Profile_1600x1600px-scaled.jpg","contentUrl":"https:\/\/www.uni.lu\/wp-content\/uploads\/sites\/10\/2026\/03\/03120000\/UNIV_SM-Profile_1600x1600px-scaled.jpg","width":2560,"height":2560,"caption":"Universit\u00e4t Luxemburg"},"image":{"@id":"https:\/\/www.uni.lu\/de\/#\/schema\/logo\/image\/"},"sameAs":["https:\/\/www.facebook.com\/uni.lu","https:\/\/www.linkedin.com\/school\/university-of-luxembourg\/","https:\/\/www.instagram.com\/uni.lu","https:\/\/www.youtube.com\/@uni_lu","https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/University_of_Luxembourg"]}]}},"blog_id":10,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.uni.lu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/news\/715"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.uni.lu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/news"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.uni.lu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/news"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.uni.lu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/news\/715\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.uni.lu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/716"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.uni.lu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=715"}],"wp:term":[{"taxonomy":"news-category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.uni.lu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/news-category?post=715"},{"taxonomy":"news-topic","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.uni.lu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/news-topic?post=715"},{"taxonomy":"organisation","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.uni.lu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/organisation?post=715"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}