{"id":120,"date":"2018-06-13T11:33:12","date_gmt":"2018-06-13T11:33:12","guid":{"rendered":"https:\/\/website.prod.unilu.spikeseed.cloud\/de\/news\/wissenschaftliche-detektivarbeit-fuer-reproduzierbare-ergebnisse\/"},"modified":"2018-06-13T11:33:12","modified_gmt":"2018-06-13T11:33:12","slug":"wissenschaftliche-detektivarbeit-fuer-reproduzierbare-ergebnisse","status":"publish","type":"news","link":"https:\/\/www.uni.lu\/de\/news\/wissenschaftliche-detektivarbeit-fuer-reproduzierbare-ergebnisse\/","title":{"rendered":"Wissenschaftliche Detektivarbeit f\u00fcr reproduzierbare Ergebnisse"},"content":{"rendered":"<section class=\"wp-block-unilux-blocks-free-section section\"><div class=\"container xl:max-w-screen-xl\"><p>In den letzten Jahren fanden Wissenschaftler immer wieder Spuren von nicht-menschlichem genetischen Material in menschlichen Blutproben. Wissenschaftler um Prof. Paul Wilmes vom Luxembourg Centre for Systems Biomedicine (LCSB) der Universit\u00e4t Luxemburg haben jetzt herausgefunden, dass es sich hierbei keineswegs um bahnbrechende wissenschaftliche Neuentdeckung handelt. Vielmehr konnten die Forscher zeigen, dass die Spuren haupts\u00e4chlich auf Verunreinigungen des Labormaterials zur\u00fcckgehen. Die Wissenschaftler haben Ihre Ergebnisse im \u201eOpen Access\u201c Fachblatt \u201eBMC Biology\u201c ver\u00f6ffentlicht.<\/p><p>Sie hatten in m\u00fchevoller Detektivarbeit nach der Herkunft von unerkl\u00e4rlichen RNS-Fragmenten in ihren Proben gefahndet \u2013 und schlie\u00dflich ein weitverbreitetes Labor-Kit zur RNS-Extraktion als Quelle ausgemacht. Ihre Untersuchung wirft Fragen zur Aussagekraft zahlreicher wissenschaftlicher Studien auf, in denen das Kit in den vergangenen Jahren eingesetzt wurde. Mittlerweile kann der weltweit f\u00fchrende Hersteller durch eine Zusammenarbeit mit der LCSB-Gruppe eine Kontamination seines Labormaterials mit Fremd-RNA ausschlie\u00dfen, was in Zukunft zu korrekten Versuchsergebnissen f\u00fchren d\u00fcrfte.<\/p><p>Die Anf\u00e4nge der Entdeckung der von\u00a0<a href=\"https:\/\/wwwde.uni.lu\/lcsb\/people\/paul_wilmes\" target=\"_self\" title=\"Associate Professor &#038; Principal Investigator at the University of Luxembourg\" rel=\"noopener\">Paul Wilmes<\/a> geleiteten <a href=\"https:\/\/wwwde.uni.lu\/lcsb\/research\/systems_ecology\" target=\"_self\" title=\"Using a Systems Biology approach to study mixed microbial communities in unprecedented detail\" rel=\"noopener\">Eco-Systems Biology Grouppe<\/a> am LCSB liegen bereits einige Jahre zur\u00fcck: Die Wissenschaftler hatten bei ihren Forschungsarbeiten zun\u00e4chst in menschlichen Stuhlproben erhebliche Mengen von \u201eKleiner RNA\u201c (small-RNA oder sRNA) gefunden. Das war zun\u00e4chst ein spannendes Ergebnis, denn sRNA-Molek\u00fcle spielen im K\u00f6rper eine wichtige Rolle. sRNA-Molek\u00fcle sind zum Beispiel an der Regulierung der \u00dcbersetzung von Genen beteiligt. Bei einigen Krankheiten scheinen menschliche sRNA-Molek\u00fcle fehlreguliert zu sein, etwa bei Krebs.<\/p><p>Die Forscher schauten sich die kleinen Molek\u00fcle an und verglichen ihn mit dem von bekannten sRNA-Molek\u00fclen im menschlichen Blut. \u201eDabei stellten wir fest, dass etwa die H\u00e4lfte der sRNA, die wir aus menschlichen Blutproben isoliert hatten, nicht-menschlichen Ursprungs war. Sie stammte von Bakterien, Pilzen, aus Lebensmitteln oder sogar von M\u00fccken\u201c, erl\u00e4utert Wilmes. \u201eZu dem Zeitpunkt dachten wir, dass sei ein interessantes Ergebnis.\u201c Die Hypothese damals: RNA gelangt von fremden Organismen im menschlichen Darm in den Blutstrom. W\u00fcrde sich das best\u00e4tigen, w\u00e4re das nicht nur eine fundamentale Erweiterung des bisherigen Wissenstands, sondern auch eine Entdeckung mit weitreichenden praktischen Folgen: Die Molek\u00fcle lie\u00dfen sich als Biomarker f\u00fcr zahlreiche Erkrankungen nutzen. Eine einfache Blutprobe w\u00fcrde Forschern und Mediziner einen Blick in den Darm und die biologischen Abl\u00e4ufe dort erlauben.<\/p>\n<h2 class=\"has-text-align-left wp-block-unilux-blocks-heading\"        id=\"kontamination-von-labormaterial\"\n    >\nKontamination von Labormaterial<\/h2>\n<p>Die Luxemburger Forscher verfolgten diese Theorie weiter und schauten sich den Aufbau der kleinen Molek\u00fcle genauer an \u2013 und bekamen schlie\u00dflich doch Zweifel. \u201eWir fanden RNA-Spuren von Organismen wie Algen oder wasserbewohnenden Bakterien, die man im menschlichen K\u00f6rper einfach nicht erwarten w\u00fcrde\u201c, so Wilmes. \u201eDie ganze Sache fing an, keinen Sinn mehr zu ergeben.\u201c Das Team beschloss schlie\u00dflich, alle Labor-Reagenzien zu pr\u00fcfen, mit dem es standardm\u00e4\u00dfig die RNA aus den Blutproben isolierte. Etliche m\u00fchevolle Untersuchungen sp\u00e4ter stand fest: Die r\u00e4tselhaften sRNA-Molek\u00fcle steckten im Silikon der sogenannten S\u00e4ulen, durch die die Probenfl\u00fcssigkeit zur Extraktion der RNA geleitet wird. \u201eAls ich mit den Experimenten begann, hatte ich wirklich Angst\u201c, sagt Dr. Anna Heintz-Buschart, die ma\u00dfgeblich an der Spurensuche beteiligt war. \u201eEs ist der Albtraum jedes Labor-Wissenschaftlers herauszufinden, dass man vielleicht nicht so sorgf\u00e4ltig gearbeitet hat, wie man sollte.\u201c<\/p><p>Neben der Erleichterung, die Verunreinigungen nicht selbst verursacht zu haben, \u00fcberkam die Wissenschaftler vor allem ein Gef\u00fchl: Frustration. Schlie\u00dflich machte die Entdeckung auch Teile der eigenen, jahrelangen Forschungsarbeit zunichte. Damit sind die Luxemburger Wissenschaftler jedoch nicht allein: Sie durchforsteten Datens\u00e4tze anderer Forscher und fanden dort genau die gleichen Verunreinigungen wie in ihren eigenen Untersuchungen. Die Ergebnisse dieser Studien m\u00fcssten nun neu bewertet werden.<\/p><p>Der Hersteller der S\u00e4ulen hat sein Labormaterial mittlerweile \u00fcberarbeitet. Das Team um Wilmes hat zudem generelle Empfehlungen f\u00fcr die Isolation von sRNA erarbeitet, mit denen Verunreinigungen k\u00fcnftig bestm\u00f6glich vermieden werden k\u00f6nnen. Verwertbaren Ergebnissen stehen die Extraktions-S\u00e4ulen in Zukunft nicht mehr im Wege. \u201eUnser Ergebnis zeigt, wie kritisch Wissenschaftler gerade in der Biologie ihre eigenen Ergebnisse immer wieder durchleuchten m\u00fcssen\u201c, sagt Wilmes: \u201eLeicht kann es ein, dass ein bahnbrechendes Versuchsergebnis nicht wiederholt werden kann \u2013 einfach, weil der Versuchsablauf an irgendeiner Stelle unsauber war. Arbeit wie die unsere ist essentiell, um in Zukunft Reproduzierbarkeit zu garantieren.\u201c<\/p><p>&#8211; &#8211; &#8211;<\/p><p>Heintz-Buschart <i>et al<\/i>. <a href=\"https:\/\/bmcbiol.biomedcentral.com\/articles\/10.1186\/s12915-018-0522-7\" target=\"_blank\" title=\"A publication in BMC Biology\" rel=\"noopener\">Small RNA profiling of low biomass samples: identification and removal of contaminants<\/a>. BMC Biology (2018) 16:52, doi:10.1186\/s12915-018-0522-7<\/p><p><a href=\"http:\/\/orbilu.uni.lu\/handle\/10993\/35695\" target=\"_blank\" title=\"Small RNA profiling of low biomass samples: identification and removal of contaminants\" rel=\"noopener\">Diese Publikation ist auf ORBilu abrufbar<\/a>.<\/p><p>Das Projekt wurde vom POC Programm des Fonds National de la Recherche finanziert. Prof. Paul Wilmes ist ein FNR Attract Fellow.<\/p><p>Um mehr \u00fcber diese Studie zu erfahren, lesen Sie den <a href=\"https:\/\/www.fnr.lu\/research-with-impact-fnr-highlight\/lux-researchers-discover-contaminated-kit\/\" target=\"_self\" title=\"Luxembourg researchers discover significant lab kit contamination; team up with company to find solution\" rel=\"noopener\">Artikel des Luxembourg National Research Fund (FNR)<\/a>.<\/p>\n<h5 class=\"has-text-align-left wp-block-unilux-blocks-heading\"        id=\"universitaet-luxemburg\"\n    >\n\u00a9 Universit\u00e4t Luxemburg<\/h5>\n<\/div><\/section>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den letzten Jahren fanden Wissenschaftler immer wieder Spuren von nicht-menschlichem genetischen Material in menschlichen Blutproben. 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